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Italienische Literatur entdecken

Die italienische Literatur hat weit mehr zu bieten als die großen Klassiker Dante, Boccaccio oder Italo Calvino. Gerade die jüngere Generation italienischer Autorinnen und Autoren setzt sich mit Themen auseinander, die die gesellschaftliche Realität des heutigen Italiens prägen: Migration, Kolonialismus, Identität und gesellschaftlicher Wandel. Dennoch finden viele dieser Stimmen nur schwer den Weg in deutsche Verlage und auf den deutschen Buchmarkt.

Gegenwart

Neue Stimmen statt alter Klischees.

Italienische Literatur erscheint hier als vielstimmiger Raum: politisch, gesellschaftlich wach und literarisch beweglich.

Verlag nonsolo

Literatur jenseits der Italienklischees

Einen wichtigen Beitrag dazu, diese literarischen Perspektiven sichtbar zu machen, leistet die Verlegerin Alessandra Ballesi-Hansen mit ihrem Verlag nonsolo. Gemeinsam mit der Lektorin Irene Pacini stellte sie im Rahmen einer Veranstaltung der DIG.insieme Osnabrück und des Literaturbüros Westniedersachsen aktuelle Entwicklungen der italienischen Gegenwartsliteratur vor.

Am Beispiel der Anthologie Spiegelungen berichtete sie über die Entstehungsgeschichte des Verlags, bisherige Projekte und die Motivation, jenseits tradierter Italienbilder neue literarische Realitäten zu vermitteln.

Projekt

Das Projekt LeggiIO: Italienische Literatur auf Reisen

Auch das Projekt LeggiIO, das 2011 von der Kieler Literaturwissenschaftlerin Francesca Bravi ins Leben gerufen wurde, verfolgt dieses Ziel. Noch nicht in Deutschland veröffentlichte italienische Autorinnen und Autoren erhalten auf Lesereisen im norddeutschen Raum die Möglichkeit, ihre Werke einem deutschsprachigen Publikum vorzustellen.

Im Rahmen dieses Projekts entstand auch die Übersetzung eines Auszugs aus Nadia Terranovas Roman Gli anni al contrario, der anschließend die Grundlage für ein Seminar zur literarischen Übersetzung an der Universität Kiel bildete. Neben Einblicken in die Praxis des Literaturübersetzens standen dabei die gemeinsame Arbeit am Text und der Austausch über sprachliche und kulturelle Besonderheiten im Mittelpunkt.

Domenico Dara

Eine Reise nach Kalabrien

Wie lebendig und vielfältig die italienische Literatur ist, zeigte sich auch bei der Lesung aus Domenico Daras Roman Der Postbote von Girifalco oder Eine kurze Geschichte über den Zufall. Der vielfach ausgezeichnete Roman entführt die Leserinnen und Leser in das kalabrische Dorf Girifalco zur Zeit der Mondlandung im Jahr 1969.

Im Mittelpunkt steht ein einsamer Postbote, der heimlich in die Korrespondenz seiner Mitmenschen eingreift und dadurch die Geschicke des Dorfes beeinflusst. Die Geschichte verbindet Humor, Melancholie und gesellschaftliche Beobachtung zu einem eindrucksvollen literarischen Panorama.

Übersetzung

Literaturübersetzung als Brücke zwischen Kulturen

Auch der Austausch zwischen den Literaturen und Kulturen selbst spielt eine wichtige Rolle. Dies zeigte das deutsch-italienische Symposium „Vom werdenden Wort – Del farsi parola – Über/setzen zwischen Italien und Deutschland – Tra/durre fra Italia e Germania“, das im Literarischen Colloquium Berlin stattfand und Übersetzerinnen, Übersetzer sowie Literaturinteressierte zusammenbrachte.

Die Veranstaltung verdeutlichte, dass literarisches Übersetzen weit mehr ist als die Übertragung von Worten – es ist Vermittlung zwischen Sprachen, Kulturen und Erfahrungen.

Ausblick

Italien neu entdecken

Wer italienische Literatur heute entdeckt, begegnet nicht nur einem Sehnsuchtsland voller Sonne und Nostalgie, sondern einem vielstimmigen, widersprüchlichen und hochaktuellen Italien. Gerade diese neuen Perspektiven machen die zeitgenössische italienische Literatur so spannend und lesenswert.