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Aus der Übersetzerwerkstatt

Literarisches Übersetzen findet meist im Verborgenen statt. Übersetzerinnen und Übersetzer arbeiten an Worten, Klängen und Bedeutungen, vermitteln zwischen Sprachen und Kulturen und machen internationale Literatur überhaupt erst zugänglich. Dabei entstehen nicht nur Texte in einer neuen Sprache, sondern oft auch intensive Gespräche über Sprache, Literatur und die vielen Möglichkeiten, einen Text zu verstehen.

In den vergangenen Jahren boten Lesungen, Workshops und Werkstattgespräche Gelegenheit, diese Arbeit sichtbar zu machen, Einblicke in den Übersetzungsalltag zu geben und gemeinsam mit Publikum, Studierenden, Autorinnen und Autoren über literarische Übersetzung ins Gespräch zu kommen.

Praxis

Übersetzen wird sichtbar.

Werkstattgespräche, Workshops und Live-Formate zeigen, wie viele Entscheidungen in einer literarischen Übersetzung stecken.

Werkstatt

Die gläserne Übersetzung

Wie entsteht eine literarische Übersetzung? Welche Entscheidungen stehen hinter einem einzelnen Satz, einer Metapher oder einer Redewendung? Diesen Fragen widmete sich die offene Übersetzerwerkstatt „Die gläserne Übersetzung“. Ausgangspunkt war eine Passage aus dem Roman Der Postbote von Girifalco von Domenico Dara. Originaltext und Rohübersetzung wurden parallel projiziert, sodass die einzelnen Arbeitsschritte nachvollziehbar wurden und das Publikum den Entstehungsprozess unmittelbar miterleben konnte. Gemeinsam wurden Formulierungen diskutiert, Alternativen ausprobiert und die Herausforderungen sichtbar gemacht, die das literarische Übersetzen mit sich bringt. Die Veranstaltung machte deutlich, dass Übersetzen weit mehr ist als die Übertragung einzelner Wörter: Es ist ein kreativer Prozess, der sprachliche Präzision ebenso erfordert wie kulturelles Verständnis und literarisches Gespür.

Workshop

Workshop Literarische Übersetzung – Kiel

Praktische Übersetzungsarbeit stand im Mittelpunkt eines Workshops an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel im Rahmen des Projekts LeggiIO, das italienische Gegenwartsliteratur im deutschsprachigen Raum sichtbar macht. Grundlage des Seminars bildete ein Auszug aus dem Roman Gli anni al contrario von Nadia Terranova, der für die zweisprachigen Lesungen des Projekts übersetzt wurde. Nach einer Einführung in den Beruf des Literaturübersetzens arbeiteten die Studierenden selbst an Textpassagen und diskutierten unterschiedliche Lösungsansätze. Dabei wurde schnell deutlich, dass es in der literarischen Übersetzung selten nur eine richtige Lösung gibt. Vielmehr entstehen verschiedene Möglichkeiten, die jeweils eigene Akzente setzen und unterschiedliche Facetten des Originals hervorheben. Gerade diese Offenheit machte die gemeinsame Arbeit besonders lebendig und produktiv.

Austausch

Bieler Gespräche: Übersetzen zwischen den Sprachen

Die Bieler Gespräche boten die Gelegenheit, Übersetzungsprozesse gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen sowie Autorinnen und Autoren zu reflektieren und die eigene Arbeit bewusst zu verlangsamen – eine seltene Erfahrung im oft von engen Abgabefristen geprägten Übersetzungsalltag. Im Mittelpunkt standen mehrsprachige Texte, Gedichte und experimentelle Formen, die Übersetzerinnen und Übersetzer immer wieder vor grundlegende Fragen stellen: Wie lässt sich ein Klang übertragen? Was geschieht, wenn Wortspiele oder Mehrdeutigkeiten in der Zielsprache nicht funktionieren? Wo endet Übersetzung und wo beginnt bereits eine neue schöpferische Arbeit? Besonders spannend war die Arbeit an Texten, in denen Sprache selbst zum Gegenstand der Literatur wurde und die Übersetzung kreative Freiräume eröffnete. Ergänzt wurden die Werkstätten durch kollektives Schreiben, bei dem gemeinsame Texte entstanden und die Grenzen zwischen Lesen, Schreiben und Übersetzen bewusst überschritten wurden. Die Gespräche zeigten eindrucksvoll, dass Fragen oft wertvoller sind als schnelle Antworten – denn sie eröffnen neue Perspektiven auf Texte und Sprache.

Live

Bettgeschichten – Literaturübersetzung live

Im Rahmen der Lesereihe der Münsterländer Literaturübersetzer standen die Werkstattberichte aus der Praxis im Mittelpunkt. Anhand von Beispielen aus den Romanen von Anna Todd wurde die Übersetzung englischer Unterhaltungsliteratur vorgestellt und diskutiert. Besonderes Augenmerk galt dabei der oft sehr bildhaften Sprache moderner Liebes- und Unterhaltungsromane, deren Tonfall und Atmosphäre sich nicht ohne Weiteres ins Deutsche übertragen lassen. Die Veranstaltung zeigte, wie viel Kreativität und Fingerspitzengefühl notwendig sind, um Dialoge, Humor und sprachliche Bilder so zu übertragen, dass sie auch in der Übersetzung lebendig und authentisch wirken.

Berufspraxis

Übersetzungswerkstatt mit Annette Hahn

Einen weiteren Einblick in die Vielfalt des Berufs bot die Übersetzungswerkstatt mit Annette Hahn. Im Gespräch standen nicht nur konkrete Beispiele aus ihrer Arbeit, sondern auch Erfahrungen aus mehr als zwei Jahrzehnten literarischer Übersetzung. Anhand verschiedener Titel wurde deutlich, wie breit das Spektrum literarischer Übersetzerinnen und Übersetzer ist: Es reicht von Jugendbüchern über Romane bis hin zu Sachbüchern und Ratgebern. Gleichzeitig wurde sichtbar, dass jede Textsorte ihre eigenen Herausforderungen mit sich bringt und immer wieder neue Lösungen verlangt. Die Gespräche über Arbeitsweisen, Recherche, Sprachgefühl und Übersetzungsentscheidungen machten deutlich, wie vielfältig und abwechslungsreich die Arbeit in der literarischen Übersetzung ist.